Taugliche Krimis des Jahres 2009

10. Januar 2010

Ross Thomas: Am Rand der Welt. Ein Artie-Wu-undQuincy-Durant-Fall. Aus dem Amerikanischen von Jürgen Behrens, bearbeitet von Gisbert Haefs und Anja Franzen. Mit einem Nachwort von Thomas Wörtche. Alexander Verlag, Berlin 2008.

Heinrich Steinfest: Mariaschwarz. Kriminalroman. Piper, München, Zürich 2008.

Zoran Drvenkar: Sorry. Thriller. Ullstein, Berlin 2009.

Kathryn Miller Haines: Miss Winters Hang zum Risiko. Rosie Winters erster Fall. Aus dem Amerikanischen von Kirsten Riesselmann. Suhrkamp, Frankfurt/M. 2009.

Fred Vargas: Der verbotene Ort. Roman. Aus dem Französischen von Waltraud Schwarz. Aufbau, Berlin 2009. 

Jörg Juretzka: Alles total groovy hier. Kriminalroman. Rotbuch, Berlin 2009.

Alles selbst gelesen, alle besprochen bei www.literaturkritik.de, keine Rangfolge. Dieses Jahr wird sicher besser und vor allem mehr.

Blochs Prinzip Hoffnung

9. Januar 2010

Ernst Blochs „Prinzip Hoffnung“ ist ein anachronistischer Text, allerdings weniger wegen seiner Stillage (die ist Geschmacksache), sondern mehr wegen seines rettungslosen Optimismus. Das lässt sich bereits in den Absätzen zu Beginn erkennen:
„Es kommt darauf an, das Hoffen zu lernen. Seine Arbeit entsagt nicht, sie ist ins Gelingen verliebt statt ins Scheitern. Hoffen, über dem Fürchten gelegen, ist weder passiv wie dieses, noch gar in ein Nichts gesperrt. Der Affekt des Hoffens geht aus sich heraus, macht die Menschen weit, statt sie zu verengen, kann gar nicht genug von dem wissen, was sie inwendig gezielt macht, was ihnen auswendig verbündet sein mag.“
Allerdings sind Anachronismen gelegentlich hilfreich und angemessen.

Turning an ascending stairs

1. Januar 2010

Der Fotograf Eadweard Muybridge hat im Jahr 1887 gezeigt, was es heißt fortzuschreiten: Es ist eine langsame Bewegung, die möglicherweise, aber nicht notwendig nach oben führt.

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Diktatur des Proletariats?

7. Dezember 2009

Slavoj Žižek hat in „Auf verlorenem Posten“ beredt eine neue „Diktatur des Proletariats“ als notwendig begründet, dabei das Proletariat als Allgemeinheit („wir alle“) bestimmt und Diktatur als formale Möglichkeit, dass diese Allgemeinheit ihre Interessen gegen die Partikularnteressen durchsetzen kann.
Das steht gegen jenes Konzept, das von Kant bis Brecht erkennbar ist, dass nämlich aus der Verhandlung der Partikularinteressen das Allgemeininteresse entstehen kann und durchgesetzt wird. Dass Žižek den repräsentativen Demokratien wohl begründetes Misstrauen antgegen bringt, ist nachvollziehbar, allerdings ist das Konzept der „Diktatur des Proletariats“ nicht grundlos von Stalin missverstanden worden, und einem Missbrauch ist ohne institutionelle Kontrolleure kaum gegenzusteuern. 
Anders gewendet: Das „Proletariat“ tut gut daran, sich selbst zu kontrollieren, sich einem ständigen Reflexionsprozess zu unterziehen, dabei aber zugleich immer wieder gegen die instutionellen Grenzen aufzubegehren. Die Perpetuierung der Unruhe als Prinzip ist hingegen nicht lebensfähig, es bedient die Einzelnen nicht, es bestätigt und belohnt sie nicht – und bei aller Faszination, die von kollektiven Prozessen ausgeht, diese handlungsökonomische Seite ignoriert Žižek merkwürdiger Weise. 
Eine intellektuelle Havarie, die nur wirklich intelligenten Leuten widerfährt. 
Slavoj Žižek: Auf verlorenem Posten. Aus dem Englischen von Frank Born. Frankfurt/M.: Suhrkamp 2009.

Ich kann jeder sagen? Immerhin

28. November 2009

Robert Menasses Erzählungenband „Ich kann jeder sagen“: In die Hand nehmen, anlesen, wieder weglegen, weil es Freude macht, ihn wieder in die Hand zu nehmen und anzulesen. Anders als die dicken Bücher, die man nicht mehr weglegt, weil sie so fesselnd sind, ist das ein Buch, das begleiten kann, hierhin, dorthin, um einen Blick hineinzuwerfen, ein paar Zeilen zu lesen, die vor allem eines tun, erfreuen. 
In jüngster Zeit tauchen Autorinnen und Autoren auf (längst bekannte), deren Erzählungen atemberaubend schön sind: Kehlmann, Hermann und nun auch Menasse. Das ist ein freudiges Ereignis.