Im Alten Reich?

Ricarda Huchs Einleitung zum Deutschland-Foto Buch Martin Hürlimanns

Ricarda Huch gehört zu den exponiertesten Autorinnen der Weimarer Republik, emanzipiert, erfolgreich und das in einem Genre, das zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch fast ausschließlich durch männliche Autoren besetzt war. Zugleich folgte sie literarisch traditionellen und konservativen Mustern. So auch in ihrem Vorwort zu Martin Hürlimanns Deutschland-Fotobuch. Eine Rückkehr ins Alte Reich? Das erhielt im Laufe der 1930er Jahre eine verfängliche Note, aber dem hat sich Huch halbwegs erfolgreich widersetzt. Die Einleitung zum Fotobuch steht in einem auffallenden Spannungsverhältnis zum modernen Fotoprogramm, mit dem sich Hürlimann vom Vorgängerprojekt Kurt Hielschers abzusetzen versuchte. Man hat halt seine Autor/innen nicht immer im Griff. Der Aufsatz zum Thema ist nun erschienen in einem Sammelband über Ricarda Huch als moderne Essayistin.

Walter Delabar: Im alten Reich? Ricarda Huchs Einleitung zum Deutschland-Fotobuch Martin Hürlimanns. In: Ricarda Huch als moderne Essayistin. Hrsg. von Dorit Krusche und Kerstin Wiedemann. Berlin: Frank&Timme 2024, S. 87-116.

Ich ist ein anderer?

Taylor Swift: Neue Platte, neue Spekulationen, welchen ihrer Verflossenen sie denn nun jetzt wieder gemeint hat. Das wird sich wohl nicht ändern, auch wenn sich Taylor Swift als Autorin zu ermächtigen scheint. Eine Petitesse bei literaturkritik.de

https://literaturkritik.de/public/rezension.php?rez_id=30502

Leute, Klamotten, Kommunismus

Rainer Bieling hat Masha Gessen bei literaturkritik.de als Kommunistin gescholten. Warum? Sie ist in der Sowjetunion und in New York aufgewachsen und hat bei einer Veranstaltung rote Socken getragen. Dass sie in die Diskussion über den Konflikt zwischen Israel und der Hamas möglicherweise unklug argumentiert, spielt dabei keine Rolle. Auch auf literaturkritik.de findet sich eine Lektüre der Texte Bielings und Gessens.

https://literaturkritik.de/man-muss-diesen-typen-nur-auf-die-klamotten-sehen,30329.html

Da haben wir den Salat …

Über Männer in Hans Falladas „Wolf unter Wölfen“

Männer spielen eine besondere Rolle in Hans Falladas Roman „Wolf unter Wölfen“. Jetzt ist ein Beitrag zu den Männlichkeitskonzepten im Roman und deren Abweichung zum klassischen Konzept in Falladas Erfolgsroman „Kleiner Mann – was nun?“ in der Jahresschrift-der-Hans-Fallada-Gesellschaft e.V., Feldberg, erschienen: Walter Delabar: Experimentum mundi. Eine Skizze zu den männlichen Rollenmodellen in Hans Falladas Roman „Wolf unter Wölfen“. In: Salatgarten. Jahresschrift der Hans-Fallada-Gesellschaft e.V. Feldberg 32 (2023), S. 21-26. Erhältlich von der Hans-Fallada-Gesellschaft: https://fallada.de/salatgarten/ Preis: 20,00 Euro zzgl. Versand.

Gregorianische Gesänge

Der JUNI kommt in die Jahre und das trifft auch seine Herausgeber: Gregor Ackermann zum 70. Geburtstag

Gregor Ackermann hatte schon 2021 seinen runden Geburtstag, aber trotzdem soll er jetzt geehrt sein. Die Beiträger/innen des neuen JUNI sind allesamt mehr oder weniger Gregor Ackermann zu Dank verpflichtet, haben mit ihm zusammengearbeitet oder haben von seiner Großzügigkeit profitiert. Hier zahlen sie ein wenig von ihrer Schuld zurück. Wer allerdings Freundlichkeiten erwartet, täuscht sich: Der neue Band ist voll von Entdeckungen und Fundstücken: Texte von Thomas Mann, Helen Grund (manchen besser als Helen Hessel bekannt), Ruth Landshoff-Yorck – dazu Beiträge über die Heinrich Mann-Porträts Willi Geigers, die Rundfunkarbeiten Walter Benjamins, Heinrich Manns Engagement gegen den Faschismus, Walter Hasenclevers Wende zum Pazifismus, zum Barkenhoff-Experiment des Malers Heinrich Vogeler, zu Lou Straus-Ernst und Karl Otten, zu den Deutschland-Fotobüchern aus dem Hause Langewiesche und zur Biografie Karl Jakob Hirschs. Den Abschluss bildet die Diskussion eines Essays von Helmuth Kiesel zu Emil Strauß.

Den Anfang aber bildet ein Beitrag von Edmund Wizisla zu Bertolt Brechts persönlicher Bibel, die er nicht nur gnadenlos ausgeschlachtet, sondern ein wenig gestaltelt hat, wie auf dem Umschlag des JUNI zu sehen (Dank an die Akademie der Künste, Berlin, für die Abbildung).

Inhalt:

Erdmut Wizisla: Sie werden lachen: die Bibel
Eine Betrachtung von Brechts Exemplar………………………………………………………… S. 9

Dirk Heißerer: Greisenglück oder Die wilde Jägerin Leidenschaft
Eine poetische Verwechslung Thomas Manns ……………………………………………..  S. 13

Doris und Jürgen Lauer: Gottes Hand in Löwen. Walter Hasenclevers Weg
vom „geistigen Krieger“ zum kämpferischen Pazifisten ……………………………….  S. 21

Helen Grund: „Bin aus Paris zurück“ Texte ………………………………………………………  S. 51

Gregor Ackermann und Momme Brodersen: Helen Grund (Hessel).
Beiträge zu einer Bibliographie ihrer Schriften …………………………………………….  S. 79

Ruth Landshoff-Yorck: Gefahr in der Haute Savoye und
andere unveröffentlichte Feuilletons ………………………………………………………….  S. 103

Helga Karrenbrock: Stichhaltige Entschuldigungen. Zum Erstdruck
einiger Feuilletons von Ruth Landshoff-Yorck …………………………………………..  S. 111

Anja Nowak und Thomas Küpper: Walter Benjamins Rundfunkarbeiten.
Medienspezifik und kritische Edition …………………………………………………………  S. 115

Werner Jung: Fremder, Gast und Wanderer. Der junge Siegfried Kracauer
und Georg Simmel ……………………………………………………………………………………  S. 123

Wolfgang Klein: Vor dem Krieg. Heinrich Manns Kampf
gegen Faschismus und Nationalsozialismus ……………………………………………….  S. 131

Dirk Heißerer: Addenda und Corrigenda zur Heinrich-Mann-Bibliographie.
Ein Gedenkblatt. In memoriam Brigitte Nestler.
Mitarbeit: Gregor Ackermann, Wolfgang Klein, Volker Riedel …………………..  S. 139

Dirk Heißerer: Das Zeitgesicht. Die vier Heinrich-Mann-Porträts (1921–1927)
des Malers und Graphikers Willi Geiger (1878-1971), ein Exlibris
„Heinrich Mann“ (1921/22) sowie Porträts nach Thomas Mann (1926) und Ernst Bloch (1921). Mit zwölf Abbildungen und einer Bibliographie ……………………………………………….  S. 149

„Vielleicht der wichtigste Versuch einer Siedlungsgemeinschaft auf ideal-kommunistischer Grundlage“. Kontroversen über Heinrich Vogeler und
seine Barkenhoff-Kommune (1919-1923) aus den Jahren 1930/31 ………………  S. 185

Walter Fähnders und Helga Karrenbrock: „Achte, Bruder, das Werk,
das allen dient und uns eint“. Zur Barkenhoff-Kontroverse von 1930/31 ……..  S. 205

Walter Fähnders: „Mitleidiges Bedauern dass ich nicht mehr Künstler sei“.
Eine Postkarte von Heinrich Vogeler an den Rätekommunisten
Fritz Wolffheim ……………………………………………………………………………………….  S. 210

Walter Delabar: Das schöne alte Deutschland. Deutschland-Fotobücher
aus dem Verlag Langewiesche ………………………………………………………………….  S. 217

Armin Strohmeyr: „Unerschöpfliches, köstliches Nomadengut“.
Luise Straus-Ernst (1893–1944) und ihr Exilroman Zauberkreis Paris …………  S. 253

Hermann Ruch: Vergebliche Avancen. Karl Otten und Luise Straus – Bonn 1913.
Mit Literaturhinweisen und einem dokumentarischen Anhang …………………….  S. 269

Helga W. Schwarz: Kaiserwetter für Karl Jakob Hirsch. In Erinnerung
an den Schriftsteller, Künstler und Exilanten
Karl Jakob Hirsch (1892-1952) …………………………………………………………………  S. 287

Gregor Ackermann: Einige Hinweise zu Mascha Kaléko.
Kleine Erinnerungsarbeit(en) II. ………………………………………………………………..  S. 293

Helmuth Kiesel: Eine Dichtung im Dritten Reich. Eine Würdigung
von Emil Straußʼ Roman Das Riesenspielzeug …………………………………………..  S. 303

Walter Delabar: Ein Meisterwerk im Dritten Reich?Anmerkungen zu Helmuth Kiesels Essay über Emil Straußʼ Roman Das Riesenspielzeug………  S. 309

Schafott/Über den grünen Klee – Rezensionen und Hinweise …………………………..  S. 318

Gregorianische Gesänge. Beiträge zur Literatur und Kultur des frühen 20. Jahrhunderts. Gregor Ackermann zum 70. Geburtstag. Hrsg. von Dirk Heißerer und Walter Delabar. Bielefeld: Aisthesis 2023 (= Juni 61-62), 360 Seiten, Euro 38,00.

Zu bestellen beim Aisthesis Verlag: https://www.aisthesis.de/epages/63645342.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/63645342/Products/978-3-8498-1886-9